{"id":122,"date":"2011-02-22T18:14:50","date_gmt":"2011-02-22T17:14:50","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasmehltretter.wordpress.com\/?p=122"},"modified":"2011-02-22T18:14:50","modified_gmt":"2011-02-22T17:14:50","slug":"die-causa-zu-guttenberg-uber-rucktritt-und-mediale-verblendung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.andreas-mehltretter.de\/archiv\/2011\/02\/die-causa-zu-guttenberg-uber-rucktritt-und-mediale-verblendung\/","title":{"rendered":"Die Causa zu Guttenberg: \u00dcber R\u00fccktritt und mediale Verblendung"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"text-decoration:underline;\">Unwiderlegbar kopiert<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Die Diskussion \u00fcber die Doktorarbeit unseres Verteidigungsministers zu Guttenberg beunruhigt mich. Zu Guttenberg hat \u00fcber ein F\u00fcnftel seiner Doktorarbeit nicht selbst verfasst, sondern aus fremden, nicht zitierten Quellen kopiert \u2013 dies ist f\u00fcr jeden <a href=\"http:\/\/de.guttenplag.wikia.com\/wiki\/GuttenPlag_Wiki\" target=\"_blank\">offen einseh- und nachpr\u00fcfbar<\/a>.<\/p>\n<p>Das Ausma\u00df l\u00e4sst keinen anderen Schluss zu, als dass dies vors\u00e4tzlich geschah; Zitierfehler k\u00f6nnen passieren, aber nicht auf jeder zweiten Seite und schon gar nicht, wenn der zitierte Text ein F\u00fcnftel der gesamten Arbeit ausmacht. Die F\u00e4higkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten \u2013 das, was mit der Doktorarbeit nachgewiesen und mit dem \u201eDr.\u201c-Namenszusatz symbolisiert wird \u2013 schlie\u00dft ein, Quellen zu verarbeiten und in eigenst\u00e4ndige Gedankeng\u00e4nge einzubauen. Unreflektiert seitenweise Text und Fazits zu \u00fcbernehmen (egal, ob mit oder ohne Quellenangabe), geh\u00f6rt nicht dazu.<\/p>\n<p>Dass die gefundenen Passagen, die beinahe wortw\u00f6rtlich \u00fcbernommen sind, nicht gekennzeichnet sind, zeigt, dass der Autor sehr genau wusste, dass dies nicht dem von ihm geforderten wissenschaftlichen Arbeiten entspricht. Die Doktorarbeit enth\u00e4lt also nicht einfach nur \u201eFehler\u201c, sondern ist mit Absicht und unter vollem Bewusstsein in dieser t\u00e4uschenden Art geschrieben worden.<\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration:underline;\">Politische Konsequenzen<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Beunruhigend f\u00fcr mich ist, dass drei Viertel der deutschen Bev\u00f6lkerung dies nicht f\u00fcr einen Grund halten, den R\u00fccktritt zu Guttenbergs zu fordern. Die vors\u00e4tzliche T\u00e4uschung bei seiner Doktorarbeit l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, dass zu Guttenberg als Person keine Integrit\u00e4t besitzt, schon gar nicht in dem Ma\u00dfe, in dem sie ihm durch die deutschen Leitmedien in letzter Zeit zugeschrieben worden ist.<\/p>\n<p>Darf jemand, der seinen Doktorgrad nicht rechtm\u00e4\u00dfig, sondern auf moralisch verwerfliche Weise erworben hat, wirklich Minister der deutschen Regierung bleiben? Nein!<\/p>\n<p>Das Problem besteht meines Erachtens in der zerst\u00f6rten Vertrauensbasis: Zu Guttenberg ist (zumindest in seinem Bundestagsmandat, aber durch die CSU\/CDU-Zweitstimmen auch indirekt als Bundesminister) ein vom Volk demokratisch gew\u00e4hlter Vertreter des Volkes. Die W\u00e4hler beschlie\u00dfen mit der Stimmabgabe, der Partei und ihren K\u00f6pfen zu vertrauen \u2013 sie vertrauen darauf, dass diese das vorher Gesagte umsetzen oder zumindest politisch im Sinn ihrer W\u00e4hler handeln.<\/p>\n<p>Wahl bedeutet also das Schenken von Vertrauen. Erstens hat sich zu Guttenberg dieses Vertrauen aber unrechtm\u00e4\u00dfig erworben, da sich durch die Bekanntwerdung der T\u00e4uschung bei der Doktorarbeit eine neue Bewertung des Charakters zu Guttenbergs ergeben muss. Zweitens besteht die Frage, warum einem Politiker vertraut werden sollte, der moralisch so verwerflich handelt.<\/p>\n<p>Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, wobei diese moralisch verwerfliche Handlung entstand \u2013 dies ist bedeutend zur Abgrenzung gegen andere Politiker, die m\u00f6glicherweise auch W\u00e4hler bel\u00fcgen oder schmerzliche Wahrheiten besch\u00f6nigend darstellen: Der Grund f\u00fcr zu Guttenberg bestand nicht im durchaus moralisch schwer zu bewertenden politischen Betrieb (Ich w\u00fcrde gerne wissen, wie weit man tats\u00e4chlich kommt, ohne einmal gelogen zu haben.), sondern im Aufpolieren seiner eigenen Person. Er wollte wohl nie als Dr. jur. berufst\u00e4tig werden, sondern den Titel nur benutzen, um damit als Person in der Politik erfolgreicher zu sein \u2013 was ja an sich nichts verwerfliches ist, solange dabei alles mit rechtm\u00e4\u00dfigen Dingen zugeht.<\/p>\n<p>Auf dieser Basis kann zu Guttenberg kein Minister bleiben.\u00a0<a href=\"http:\/\/twitter.com\/christiansoeder\/status\/39738362214481920\" target=\"_blank\">@christiansoeder<\/a> hat auf Twitter eine sch\u00f6ne Analogie gezogen: \u201eEs sind in Deutschland \u00fcbrigens schon Menschen wegen Unterschlagung von 2-Euro-Pfandbons und K\u00e4sebr\u00f6tchens entlassen worden.\u201c Das war rechtens, weil das Vertrauensverh\u00e4ltnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zerst\u00f6rt war. Genau so ist jetzt das Vertrauensverh\u00e4ltnis zwischen Volk und Regierungsmitglied zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration:underline;\">Anhaltende Unterst\u00fctzung<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Dennoch wird zu Guttenberg von breiten Teilen der Bev\u00f6lkerung unterst\u00fctzt, ein R\u00fccktritt wird mehrheitlich abgelehnt. Dies erschreckt mich: Eine Person, die gegen allgemein anerkannte gesellschaftliche Normen verst\u00f6\u00dft, bekommt vom Volk Absolution. Dies ist umso erschreckender, bedenkt man, dass es in Zukunft auch um politische Fehlschl\u00e4ge gehen kann, mit eventuell gravierenden gesellschaftlichen Folgen \u2013 dass das Volk dann gereizter reagieren w\u00fcrde, ist unwahrscheinlich: Schlie\u00dflich wird an zu Guttenberg nicht die Politik, sondern die Person gesch\u00e4tzt \u2013 ein Angriff auf das Bild der Person ist also gewichtiger als einer auf seine Politik.<\/p>\n<p>Verantwortlich sind nat\u00fcrlich die Medien, die das Bild eines edlen, klugen, tatkr\u00e4ftigen und kompetenten Mannes zeichnen \u2013 sie haben es geschafft, zu Guttenberg so erstrahlen zu lassen, dass auch die unverf\u00e4lschten Bilder eines Schummlers davon \u00fcberstrahlt werden und somit keine Wirkung entfachen.<\/p>\n<p>Dass Menschen verf\u00fchrbar ist, war mir klar. Dass sie aber so leicht verf\u00fchrbar sind, nicht. Die blinde Verteidigung und Ablehnung aller Vorw\u00fcrfe hat bereits die Ausma\u00dfe einer ideologischen Verblendung angenommen, wie die Unzug\u00e4nglichkeit von Argumenten zeigt. Dies ist geschehen, ohne dass diejenigen, wie ich, die diese Umst\u00e4nde jetzt erkennen, das vorher bemerkt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Die Personenverehrung, die zu Guttenberg zuteil wird, ist aber \u00e4u\u00dferst gef\u00e4hrlich. F\u00fcr Menschen, die wir verehren, sind wir bereit, unsere Grunds\u00e4tze aufzugeben. Und auch wenn es alarmistisch und unrealistisch klingt: Die Personenverehrung kann durchaus Folgen auf unser politisches System und die Demokratie haben. Dies gilt es zu verhindern.<span style=\"text-decoration:underline;\"><strong><\/strong><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unwiderlegbar kopiert Die Diskussion \u00fcber die Doktorarbeit unseres Verteidigungsministers zu Guttenberg beunruhigt mich. 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