{"id":283,"date":"2014-10-05T19:08:48","date_gmt":"2014-10-05T18:08:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.andreas-mehltretter.de\/wp\/?p=283"},"modified":"2018-11-24T20:13:57","modified_gmt":"2018-11-24T19:13:57","slug":"wohlergehen-und-gerechte-verteilung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.andreas-mehltretter.de\/archiv\/2014\/10\/wohlergehen-und-gerechte-verteilung\/","title":{"rendered":"Wohlergehen und gerechte Verteilung"},"content":{"rendered":"<p>Schon seit l\u00e4ngerem schreibe ich an ein paar Ausf\u00fchrungen, die f\u00fcr mich pers\u00f6nlich begr\u00fcnden, wie ich bestimmte Politik im Allgemeinen und politische und gesellschaftliche Entscheidungen und Diskurse im Konkreten bewerte. W\u00fcrde mich nat\u00fcrlich sehr freuen, wenn es die eine oder den anderen auch zum Nachdenken und Diskutieren anregen k\u00f6nnte ;)<\/p>\n<p>Nachdem das ganze etwas l\u00e4nger ist, gibt\u2019s den Text auch als <a title=\"Wohlergehen und gerechte Verteilung - PDF\" href=\"https:\/\/www.andreas-mehltretter.de\/data\/Wohlergehen%20und%20gerechte%20Verteilung.pdf\" target=\"_blank\">PDF<\/a> oder als <a title=\"Wohlergehen und gerechte Verteilung - ePub\" href=\"https:\/\/www.andreas-mehltretter.de\/data\/Wohlergehen%20und%20gerechte%20Verteilung.epub\" target=\"_blank\">ePub<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Wohlergehen und gerechte Verteilung<\/h2>\n<p>Diese Ausf\u00fchrungen sollen umrei\u00dfen, welches Ziel ein Staat anstreben und welchen Prinzipien der Verteilung er folgen sollte.<\/p>\n<h3><b>Erste Pr\u00e4misse: Wohlergehen<\/b><\/h3>\n<p>Jeder Mensch handelt immer so, wie es ihm nach eigener Absch\u00e4tzung am besten geht. Der prinzipiell beste Staat ist deshalb derjenige, mit dessen Existenz das gr\u00f6\u00dfte Wohlergehen des Einzelnen einhergeht.<\/p>\n<p><b>\u201eBesser-Gehen\u201c als Handlungsmaxime jedes Menschen<\/b><\/p>\n<p>Jeder Mensch handelt und entscheidet immer so, dass es ihm nach seiner eigenen, in diesem Moment getroffenen Einsch\u00e4tzung am besten geht. Egal, ob Entscheidungen bewusst als \u00dcberlegungen getroffen werden oder intuitiv fallen \u2013 immer wird die Handlungsoption gew\u00e4hlt, von der sich die handelnde Person verspricht, dass es ihr damit im Vergleich zu allen m\u00f6glichen Alternativen am besten geht.<\/p>\n<p>Diese Maxime des \u201eBesser-Gehens\u201c gilt f\u00fcr jeden Zeitpunkt und Zeithorizont von Entscheidungen: Wenn wir \u00fcberlegen, wof\u00fcr wir Geld ausgeben sollen, entscheiden wir uns danach, mit welcher Verwendung des Geldes es uns am besten geht. Wenn wir sehr gegenwartsorientiert sind, w\u00e4hlen wir die Option, mit der es uns <i>jetzt im Moment<\/i> am besten geht, wenn wir weiter in die Zukunft schauen, beziehen wir auch mit ins Kalk\u00fcl ein, wie wir uns in einigen Tagen, Wochen, Jahren vermutlich f\u00fchlen mit der jeweiligen Handlungsoption.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon, welchen Zeithorizont wir bei unseren Entscheidungen betrachten und welchen Einfl\u00fcssen unser Denken und F\u00fchlen ausgesetzt ist, ist das \u201eBesser-Gehen\u201c das einzige Kriterium, nach dem wir verschiedene Handlungsoptionen bewerten und ausw\u00e4hlen.<\/p>\n<p><b>Besser-Gehen, Gl\u00fcck und Zufriedenheit<\/b><\/p>\n<p>Dem Besser-Gehen als Handlungsmaxime \u00e4hnlich sind Konzepte von Gl\u00fcck oder Zufriedenheit, denen zufolge Menschen in ihrem Leben nach diesen Zielen streben. Es scheint allerdings wenig plausibel, dass Menschen bei all ihren Handlungen solch abstrakte Ziele wie ihr Gl\u00fcck oder ihre Zufriedenheit ber\u00fccksichtigen: Bei gro\u00dfen, \u00fcberlegten Entscheidungen wie der Berufswahl mag dies oft der Fall sein; kleine Entscheidungen \u00e0 la \u201eLatte macchiato oder Cappuccino?\u201c k\u00f6nnen dadurch nicht erkl\u00e4rt werden. Aber auch plausible gr\u00f6\u00dfere Handlungen lassen sich durch Gl\u00fccksstreben nicht immer nachvollziehen: Angenommen, jemand findet einen Koffer voller Geld; diese Summe Geld w\u00fcrde Anschaffungen erm\u00f6glichen, die sicher gl\u00fccksf\u00f6rdernd w\u00e4ren. Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Person den Koffer aufs Fundamt bringt, sehr hoch, vielleicht, weil sie moralische Bedenken hat. Diese Handlung lie\u00dfe sich durch Gl\u00fccksstreben nur schwierig erkl\u00e4ren; die Logik des Besser-Gehens f\u00fchrt die Handlung einfach darauf zur\u00fcck, dass die Person vermutet, dass ihre Gewissensbisse letztlich gr\u00f6\u00dfer w\u00e4ren als die Freude an den Dingen, die sie mit dem Geld kaufen k\u00f6nnte, kurz: dass es ihr mit dem Melden des Kofferfundes besser geht als mit dem Behalten.<\/p>\n<p>Gl\u00fcck als Lebensziel ist allerdings ganz einfach mit dem Konzept des Besser-Gehens vereinbar, da gl\u00fccklich zu sein nichts anderes bedeutet, als dass es mir gut geht; wie gl\u00fccklich ich bin, hat also die gleiche Aussage wie die, wie gut es mir geht. Wird \u201eGl\u00fcck\u201c allerdings nicht als Beschreibung eines Gef\u00fchlzustandes, sondern als abstrakteres Konzept verwendet, ergeben sich Nachteile gegen\u00fcber der Logik des Besser-Gehens, die deshalb hier vertreten wird: Wenn wir bewusst nach Gl\u00fcck streben, wollen wir damit erreichen, dass es uns gut geht; hier \u00fcberschneiden sich die Logik des Gl\u00fccksstrebens und des Besser-Gehens. Wenn wir aber augenscheinlich nicht nach Gl\u00fcck in irgendeinem abstrakten Sinne streben, nehmen wir trotzdem \u2013 egal, ob bewusst oder unbewusst \u2013 die Option, von der wir glauben, dass es uns mit ihr am besten geht.<\/p>\n<p><b>Freiheit, Reichtum, Gesundheit \u2013 Mittel zum Zweck<\/b><\/p>\n<p>Auch alle anderen, oft als letztg\u00fcltige Ziele von Menschen bezeichnete Konzepte sind nichts anderes als Mittel zum Zweck des Besser-Gehens. Menschen entscheiden sich nicht f\u00fcr Freiheit oder Gesundheit als Ziel ihrer Handlungen, weil mehr Freiheit oder eine bessere Gesundheit einen eigenen Wert besitzen, sondern weil sie sich von gr\u00f6\u00dferen Freiheiten oder einem ges\u00fcnderen K\u00f6rper versprechen, dass sie dazu f\u00fchren, dass es ihnen in einer ansonsten gleichen Lebenssituation damit besser geht. Menschen streben nach Verm\u00f6gen, Anerkennung, Freiheit, Macht, bestimmten Jobs oder Wohnungen aus immer dem gleichen Grund: weil sie glauben, dass es ihnen besser geht, wenn sie sich auf das Ziel zubewegen oder es erreichen.<\/p>\n<p>Wenn Menschen verschiedene m\u00f6gliche Zust\u00e4nde ihrer Welt und ihres Lebens beurteilen k\u00f6nnten, w\u00fcrden sie letztlich den Zustand w\u00e4hlen, in dem es ihnen am besten geht. Alle Dimensionen, in denen sich Menschen Ziele setzen, weil sie glauben, dass sie beeinflussen, wie gut es ihnen geht, k\u00f6nnen deshalb nicht getrennt voneinander betrachtet werden: Nehmen wir an, ein Mensch m\u00fcsste ausw\u00e4hlen aus verschiedenen Zust\u00e4nden, die sich in seiner Ausstattung an verschiedenen G\u00fctern, z. B. Verm\u00f6gen und Anerkennung, unterscheiden. Eine Wahl k\u00f6nnte nur getroffen werden, wenn er seine Ausstattung in <i>beiden<\/i> Dimensionen kennt, weil er nicht beurteilen k\u00f6nnte, ob ein Zustand besser oder schlechter ist, wenn nur die Ausstattung mit Verm\u00f6gen oder nur die mit Anerkennung bekannt w\u00e4re. Letztendlich trifft er eine Bewertung des jeweiligen Zustandes der Welt und des Lebens ausschlie\u00dflich danach, wie gut es ihm geht. Das bedeutet auch, dass nicht die Ausstattung mit einzelnen G\u00fctern bedeutsam ist, sondern die Konfiguration aller G\u00fcter, die beeinflussen, wie gl\u00fccklich ein Mensch damit ist.<\/p>\n<p><b>Wohlergehen des Einzelnen als Ziel des Staates<\/b><\/p>\n<p>Was folgt daraus f\u00fcr den Staat? Welches Ziel sollte ein Staat mit seiner Politik verfolgen? Was w\u00fcrde den \u201ebesten\u201c Staat auszeichnen? Der aus Sicht eines seiner B\u00fcrger beste Staat ist derjenige, den der B\u00fcrger hypothetisch f\u00fcr sich ausw\u00e4hlen w\u00fcrde, wenn er w\u00e4hlen k\u00f6nnte unter allen m\u00f6glichen und denkbaren Staaten, also Formen und Ausgestaltungen des Staates, in dem er lebt. Wenn der Mensch immer die Handlungsoption nimmt, mit der es ihm am besten geht, w\u00fcrde er auch in diesem Fall den Staat bevorzugen, mit dem das gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Wohlergehen f\u00fcr ihn einhergeht. Der beste Staat ist also f\u00fcr jeden Einzelnen derjenige, mit dem es ihm am besten geht.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00fcrde jeder B\u00fcrger dieses Staates eine andere Ausgestaltung bevorzugen \u2013 n\u00e4mlich die, die genau <i>f\u00fcr ihn<\/i> das gr\u00f6\u00dfte Wohlergehen bedeuten w\u00fcrde. Der <i>f\u00fcr alle B\u00fcrger<\/i> beste Staat muss also der sein, der dem f\u00fcr den jeweiligen Einzelnen besten Staat so nahe wie m\u00f6glich kommt; auf der h\u00f6chsten Abstraktionsebene aller Ziele eines Staates muss also das Prinzip des gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Wohlergehens jedes Einzelnen stehen.<\/p>\n<p><b>Rahmen f\u00fcr die Umsetzung des Ziels gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Wohlergehens<\/b><\/p>\n<p>Das prinzipielle Ziel gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Wohlergehens jedes Einzelnen enth\u00e4lt dabei keinerlei Aussage \u00fcber die Ausgestaltung des Staates, also mit welchen konkreten politischen Institutionen und Handlungen dieses Ziel dann tats\u00e4chlich erreicht werden kann.<\/p>\n<p>Ein Staat, in dem es jedem Einzelnen am besten geht, ist sicher nicht totalit\u00e4r oder absolut: Freiheit und das Gef\u00fchl einer gewissen Selbstbestimmung sind unabdingbare Grundbedingungen f\u00fcr ein gl\u00fcckliches Leben, sodass ein Staat, der das Wohlergehen seiner B\u00fcrger zum Ziel hat, auf jeden Fall eine freiheitliche Ordnung besitzt. Ebenso sind eine konstitutionelle Demokratie, Schutz von Menschen- und B\u00fcrgerrechten und ein Konzept individueller Verantwortung empirisch als unabdingbar erwiesen f\u00fcr einen modernen Staat mit dieser Zielsetzung.<\/p>\n<p>Ein solcher Staat erkennt au\u00dferdem unbestreitbar an, dass Menschen auf verschiedene Art und Weise gl\u00fccklich werden k\u00f6nnen und dass sie zu einem gro\u00dfen Teil selbst am besten wissen, was ihrem Wohlergehen zutr\u00e4glich ist. Dies wiederum st\u00e4rkt den Wert der Freiheit in einem solchen Staat. Staatliche Einschr\u00e4nkungen dieser Freiheit zur Steigerung des Gl\u00fccks, wie sie bei Entscheidungen zu S\u00fcchten wie dem Rauchen scheinbar geboten sind, m\u00fcssen vorsichtig vorgenommen werden \u2013 ansonsten besteht die Gefahr, dass die Minderung des Wohlergehens durch den Freiheitsverlust gr\u00f6\u00dfer ist als der Zugewinn an Wohlergehen. Allerdings ist der beste Staat sicher auch kein \u201eNachtw\u00e4chterstaat\u201c, der au\u00dfer der Verteidigung der inneren Ordnung und des Staates gegen \u00e4u\u00dfere Feinde keinerlei Funktionen \u00fcbernimmt, weil der Mensch f\u00fcr sein Wohlergehen nicht nur Freiheit, sondern auch Sicherheit in sozialen und wirtschaftlichen Belangen ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Auch das Konzept einer \u201eMatrix\u201c, bei der Gl\u00fccksempfinden durch eine Scheinwirklichkeit hergestellt werden k\u00f6nnte, ist nicht vereinbar mit einem tats\u00e4chlich gl\u00fccksf\u00f6rdernden Staat: Es ist immer zu bef\u00fcrchten, dass der Schwindel entdeckt werden k\u00f6nnte, sodass der potentielle Schaden durch eine Aufdeckung nie aufgewogen werden kann von m\u00f6glichen Steigerungen des Wohlergehens durch diese Scheinwirklichkeit.<\/p>\n<h3><b>Zweite Pr\u00e4misse: Gerechtigkeit<\/b><\/h3>\n<p>Viele G\u00fcter, die zu einem gesteigerten Wohlergehen beitragen k\u00f6nnen, sind nur begrenzt vorhanden. Werden die so entstehenden Verteilungen von Staat und Gesellschaft beeinflusst, m\u00fcssen diese Beeinflussungen gerecht sein.<\/p>\n<p><b>Maximalit\u00e4t unter der Bedingung begrenzt vorhandener G\u00fcter<\/b><\/p>\n<p>Das Ziel des gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Wohlergehens f\u00fcr jeden Einzelnen ist nicht gleichbedeutend mit <i>maximalem<\/i>, also dem gr\u00f6\u00dften \u00fcberhaupt denkbaren Wohlergehen. Wenn nicht alle G\u00fcter, die zu gesteigertem Wohlergehen beitragen, unbegrenzt vorhanden sind, k\u00f6nnen nicht alle B\u00fcrger maximal gl\u00fccklich werden. Nehmen wir beispielsweise an, dass ein Mehr an Verm\u00f6gen das Wohlergehen eines Menschen immer steigert und also ein Zugewinn immer gl\u00fccklicher macht, wenn auch vielleicht nur noch sehr geringf\u00fcgig, wenn man bereits ein gro\u00dfes Verm\u00f6gen besitzt. Das gesamte Verm\u00f6gen einer Gesellschaft ist aber begrenzt. Dann ist es nicht m\u00f6glich, allen Menschen das h\u00f6chste \u00fcberhaupt vorstellbare Wohlergehen zukommen zu lassen, sondern nur das jeweils gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche, das mit diesen begrenzten Ressourcen f\u00fcr jeden Einzelnen erreicht werden kann.<\/p>\n<p><b>Bedeutung der Verteilung<\/b><\/p>\n<p>In einem Staat, der das Wohlergehen jedes Einzelnen zum prinzipiellen Ziel hat, m\u00fcssen G\u00fcter, die einen Einfluss auf das Wohlergehen haben, aus gesamtstaatlicher Sicht immer nach zwei Kriterien analysiert werden: ihrer Menge im Aggregat, also wie viel es insgesamt von einem bestimmten Gut gibt, und ihrer Verteilung, also wie sich die aggregierte Menge auf jeden Einzelnen in der Gesellschaft aufteilt. Weil der Staat nicht das \u201eGemeinwohl\u201c oder eine bestimmte Form \u201eallgemeinen\u201c Wohlergehens zum Ziel hat, sondern das Wohlergehen jedes Einzelnen separat betrachten muss, reicht das Kriterium der aggregierten Menge eines Gutes f\u00fcr politische Entscheidungen, die dieses Gut betreffen, nicht aus: Die Information, wie viel von einem Gut in der Gesellschaft insgesamt vorhanden ist, hat keinerlei Aussagekraft dar\u00fcber, wie viel einer bestimmten Person zukommt. So k\u00f6nnte ein aggregiert betrachtet riesiges Verm\u00f6gen auf eine oder wenige Personen konzentriert sein, w\u00e4hrend andere nichts besitzen \u2013 dies w\u00e4re sicher kein Staat, der das Wohlergehen <i>jedes Einzelnen<\/i> im Blick h\u00e4tte. Eine Aussage \u00fcber die G\u00fcterausstattung des Einzelnen ist nur mit Informationen sowohl \u00fcber die aggregierte Menge des Gutes als auch \u00fcber seine Verteilung m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Begrenzt vorhandene G\u00fcter besitzen immer eine Verteilung, d. h. jedem Einzelnen kommt ein bestimmter Anteil dieser Ressource zu. Dies bedeutet, dass z. B. das gesamte Nationaleinkommen einer Gesellschaft in einer bestimmten Form aufgeteilt ist auf alle B\u00fcrger dieser Gesellschaft, weil es nur in einem gewissen Ausma\u00df verf\u00fcgbar ist. Verteilung ist au\u00dferdem konzeptuell unabh\u00e4ngig von der aggregierten Menge und dem Wachstum der Ressource: Wirtschaftswachstum etwa sorgt nicht daf\u00fcr, dass dieser Wohlstand nicht auch auf jeden Einzelnen irgendwie verteilt sein muss. Jegliches begrenzte Gut muss also in bestimmter Weise verteilt sein.<\/p>\n<p><b>Abh\u00e4ngigkeiten der Verteilungen von Institutionen<\/b><\/p>\n<p>Dabei sind viele Verteilungen von G\u00fctern, die das Wohlergehen jedes Einzelnen beeinflussen, abh\u00e4ngig von gesellschaftlichen Institutionen, z. B. Einkommen, Verm\u00f6gen oder Status und Anerkennung. Es gibt also bei diesen G\u00fctern keine sich \u201enat\u00fcrlicherweise\u201c ergebenden Verteilungen, die eine h\u00f6here Rechtfertigung genie\u00dfen allein dadurch, dass sie im Gegensatz zu anderen m\u00f6glichen Verteilungen existieren \u2013 sie existieren schlie\u00dflich nur aufgrund der in dieser bestimmten Form vorhandenen gesellschaftlichen Umst\u00e4nde. Wer wie viel wovon bekommt, ist immer eine die gesamte Gesellschaft betreffende Frage. Durch politische und gesellschaftliche Institutionen wie Recht oder Normen entscheiden sich viele Verteilungsfragen, wie etwa bei Grund und Boden, Status und Anerkennung, Einkommen und Verm\u00f6gen oder Rechten und Pflichten.<\/p>\n<p><b>Notwendigkeit gerechter Verteilungsprinzipien<\/b><\/p>\n<p>Wenn Verteilungen von gesellschaftlichen und staatlichen Institutionen beeinflusst werden, stellt sich die Frage, wie diese Institutionen im \u201ebesten\u201c Staat beschaffen sein m\u00fcssen. Dass der Staat das gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Wohlergehen jedes Einzelnen zum Ziel hat, besagt ja nicht, wie bei Verteilungsfragen entschieden werden muss \u2013 wenn G\u00fcter nur begrenzt vorhanden sind, muss prinzipiell irgendwie entschieden werden, wie diese G\u00fcter auf die einzelnen Menschen verteilt sein sollen.<\/p>\n<p>In einem Staat, den jeder einzelne B\u00fcrger prinzipiell bevorzugen w\u00fcrde, der also der beste Staat ist, kann dies ausschlie\u00dflich nach einem Prinzip der <i>Gerechtigkeit<\/i> erfolgen, das bemisst, wie viel von einem Gut einer bestimmten Person in der Gesellschaft zukommen soll. Jegliche Institutionen und politischen und gesellschaftlichen Handlungen, die keinem Prinzip der Gerechtigkeit folgen, also nicht gerechtfertigt werden k\u00f6nnen, entsprechen keiner Ausgestaltung des besten Staates, sondern historisch gewachsenem Zufall oder geformter Willk\u00fcr \u2013 niemand w\u00fcrde einen nicht gerechten Staat gegen\u00fcber einem gerechten bevorzugen, weil nur der gerechte Staat jedem garantieren kann, dass ihm zukommt, was ihm zusteht. Der Staat muss also alle seine Beeinflussungen von Verteilungen nach Ma\u00dfgabe der Gerechtigkeit ausgestalten. Der beste Staat ist also derjenige, der das gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Wohlergehen jedes Einzelnen unter der Bedingung gerechter Verteilungen zum Ziel hat.<\/p>\n<p>Gerechtigkeit setzt auch voraus, dass bei Entscheidungen, in welcher Form Staat und Gesellschaft Verteilungen von G\u00fctern beeinflussen sollten, das Wohlergehen jedes Einzelnen mit dem gleichen Gewicht in das Entscheidungskalk\u00fcl einbezogen werden muss. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnten unterschiedliche sachliche Gr\u00fcnde \u2013 z. B. gr\u00f6\u00dfere Anstrengung als Rechtfertigung f\u00fcr h\u00f6heres Einkommen oder die \u00dcbernahme von Kosten f\u00fcr notwendige Medikamente \u2013 dazu f\u00fchren, dass ein Ergebnis gerecht ist, das nicht allen das gleiche zukommen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>In Abwesenheit rechtfertigender Gr\u00fcnde, die im Folgenden untersucht werden, ist aber nur eine Gleichverteilung gerecht. Deshalb muss der beste Staat auf jeden Fall, wie bereits unter der ersten Pr\u00e4misse beschrieben, gleiche Menschen- und B\u00fcrgerrechte garantieren, also z. B. Meinungsfreiheit, Freiheit der eigenst\u00e4ndigen Lebensgestaltung und gleiche demokratische Mitbestimmung.<\/p>\n<h3><b>Dritte Pr\u00e4misse: Gerechte Ungleichheiten<\/b><\/h3>\n<p>Gerechtigkeit besteht, wenn nur diejenigen Unterschiede in der Verteilung des Wohlergehens existieren, die durch individuelle Verantwortung begr\u00fcndbar sind.<\/p>\n<p><b>Zwei Arten von Ungleichheiten in der Verteilung des Wohlergehens<\/b><\/p>\n<p>Ungleichheiten und Unterschiede in Verteilungen beschreiben Abweichungen vom Zustand der Gleichverteilung. Im Folgenden soll zwischen zwei Arten von Ungleichheiten unterschieden werden: Die einen entstehen aufgrund von Ursachen, die der Einzelne nicht zu verantworten hat, die anderen aufgrund individueller Verdienste und eigener Verantwortung. Unterschiede im Wohlergehen, die beispielsweise auf genetische Unterschiede wie etwa eine erh\u00f6hte Disposition zur Depression zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, entsprechen der ersten Kategorie, w\u00e4hrend z. B. ein Unterschied im Wohlergehen, der durch unterschiedliche Einkommen zustande kommt, die wiederum auf unterschiedliche Anstrengung zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, in die zweite Kategorie der selbst verantworteten Unterschiede f\u00e4llt.<\/p>\n<p><b>Nicht selbst verantwortete, also ungerechte, Unterschiede<\/b><\/p>\n<p>Die Aufrechterhaltung der ersteren Unterschiede, also der nicht selbst zu verantwortenden, kann nicht gerecht sein. Wenn eine M\u00f6glichkeit zur Umverteilung besteht, so m\u00fcssen diese Unterschiede ausgeglichen werden. Wenn Unterschiede bestehen, die der Einzelne nicht selbst zu verantworten hat, sind Einzelne schlechter gestellt als sie es sein m\u00fcssten, weil andere daf\u00fcr besser gestellt sind, ohne dass es daf\u00fcr eine Rechtfertigung g\u00e4be.<\/p>\n<p>Dies widerspricht aber den Prinzipien der ersten Pr\u00e4misse, des gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Wohlergehens jedes Einzelnen, und der zweiten Pr\u00e4misse, der gerechten Verteilung. Benachteiligungen im Wohlergehen, die der Einzelne nicht zu verantworten hat, die aber durch \u00c4nderungen der staatlichen und gesellschaftlichen Umst\u00e4nde ausgeglichen werden k\u00f6nnten, k\u00f6nnen nicht gerechtfertigt werden und widersprechen demnach jedem Prinzip der Gerechtigkeit.<\/p>\n<p>Prinzipiell sind <i>alle<\/i> Unterschiede im Wohlergehen ungerecht, f\u00fcr die der Einzelne keine Verantwortung tr\u00e4gt, also auch solche, die nicht direkt durch Staat oder Gesellschaft beeinflusst werden: Beispielsweise sind Ungleichheiten im Wohlergehen, die auf unterschiedliche genetische Dispositionen zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, ebenfalls ungerecht. Im Gegensatz zu anderen Wohlergehens-Unterschieden, die z. B. auf die ungleiche Verteilung von Einkommen zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, liegt die Verursachung und somit die Verantwortung zur gerechten Begleichung dieser Unterschiede aber nicht unmittelbar bei Staat und Gesellschaft.<\/p>\n<p><b>Selbst verantwortete, also gerechte, Unterschiede<\/b><\/p>\n<p>Dagegen sind die zweiten Unterschiede, die jeder Einzelne selbst zu verantworten hat, gerecht. Entstehen Ungleichheiten im Wohlergehen aufgrund von Leistung, Anstrengung oder besonderem Engagement, so k\u00f6nnen diese Ungleichheiten genau damit begr\u00fcndet und gerechtfertigt werden. Selbst zu verantworten ist allerdings nur, was mit unabh\u00e4ngigem, freiem Willen entschieden wird und nicht das Ergebnis \u00e4u\u00dferer Umst\u00e4nde ist.<\/p>\n<h3><b>Vierte Pr\u00e4misse: Geringe individuelle Verantwortung<\/b><\/h3>\n<p>Das Wohlergehen jedes Einzelnen ergibt sich immer zu einem gro\u00dfen Teil aus vom Staat beeinflussbaren Verteilungen. Der Anteil individueller Verdienste an Unterschieden im Wohlergehen ist sehr gering.<\/p>\n<p><b>Gene und Umwelt<\/b><\/p>\n<p>Das Wohlergehen jedes Einzelnen ergibt sich immer aus den Zust\u00e4nden seines Lebens, also der Wahrnehmungen seiner Umgebung und der Handlungen, die sich auf diese Umgebung auswirken, und aus den Genen, die beeinflussen, wie die Empfindung des Wohlergehens auf diese Wahrnehmungen reagiert.<\/p>\n<p>Gene und Umwelt bestimmen also zum gro\u00dfen Teil, wie Menschen handeln und welche Identit\u00e4t sie besitzen \u2013 und somit wie gl\u00fccklich sie sind. Gene entscheiden dar\u00fcber, auf welchen N\u00e4hrboden Erfahrungen und Wahrnehmungen treffen, und setzen somit jedem Leben gewisse Wahrscheinlichkeiten f\u00fcr K\u00f6rper, F\u00e4higkeiten, Verhaltensweisen, Entscheidungen und die Wirkung von \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen auf das Wohlergehen. Sozialisation und Erziehung haben in der Wechselwirkung mit den Genen gro\u00dfen Einfluss auf unseren Charakter und unsere Pers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n<p><b>Wie Menschen werden, was sie sind<\/b><\/p>\n<p>Ein Gro\u00dfteil der Variation im IQ kann durch unsere Gene erkl\u00e4rt werden; wie wir als (Klein-)Kinder ern\u00e4hrt werden, entscheidet dar\u00fcber, wie gro\u00df wir werden; wie wir w\u00e4hlen, kann weitgehend durch unser Einkommen und unser Arbeits- und Wohnumfeld erkl\u00e4rt werden. Der Schulabschluss unserer Eltern bestimmt zu einem gro\u00dfen Teil, welche Schule wir besuchen \u2013 und wie gut wir in der Schule sind, kann allein durch die Herkunft zur H\u00e4lfte erkl\u00e4rt werden; ebenso wie die H\u00f6he unseres Einkommens.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich lie\u00dfe sich argumentieren, dass durch bessere F\u00f6rderung in der Schule Unterschiede, die durch Herkunft bedingt sind, beseitigt werden k\u00f6nnten. Durch gleiche Erziehung hin zu mehr Leistungsbereitschaft k\u00f6nnen vielleicht auch Unterschiede in \u201eLeistungen\u201c verringert werden&nbsp; \u2013 das alles bedeutet aber in der letzten Konsequenz, bei \u201emaximaler\u201c F\u00f6rderung und bestm\u00f6glicher Erziehung aller, nur, dass sich nur noch durch unterschiedliche Gene bedingte Unterschiede herausbilden.<\/p>\n<p>Welche Pers\u00f6nlichkeit wir entwickeln, ist in erster Linie Ergebnis unserer Erziehung und Erfahrungen. Was wir f\u00fcr moralisch gut oder schlecht halten, wird uns anerzogen. Welche Filme, Musik, Kleidung, Jobs wir m\u00f6gen h\u00e4ngt in erster Linie von den Erfahrungen ab, die wir gemacht haben, von den Freunden, die uns damit in Verbindung gebracht haben, von Werbung, die unseren Geschmack formt. Welche Meinungen wir haben, l\u00e4sst sich gro\u00dfteils dadurch erkl\u00e4ren, mit welchen anderen Meinungen wir \u00fcber pers\u00f6nliche Kontakte, Zeitungen, Fernsehen, Internet in Kontakt gekommen sind \u2026<\/p>\n<p>Am deutlichsten aber wird der geringe Einfluss des Einzelnen auf sein Wohlergehen bei der Tatsache, dass niemand beeinflussen kann, wo, in welchem Land, in welcher Stadt, in welcher Wohngegend, er geboren wird. Wie gl\u00fccklich man wahrscheinlich wird, ist aber entscheidend davon bestimmt, ob man als Afghanin oder als Luxemburger geboren ist.<\/p>\n<p>Dies alles zeigt auch, dass es nicht m\u00f6glich ist, Menschen von Einfl\u00fcssen zu \u201ebefreien\u201c und somit ihre eigene Verantwortlichkeit f\u00fcr ihre Handlungen zu vergr\u00f6\u00dfern: Diese \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcsse wie das soziale Umfeld, Geburts- und Wohnort, wahrgenommene Meinungen, usw. wirken immer auf Charakter, Erfahrungen, Gedanken ein, sodass sie niemals unabh\u00e4ngig von den \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen betrachtet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><b>Anteil individueller Verdienste und Verantwortung ist gering<\/b><\/p>\n<p>Wer ein Mensch ist und wie er handelt, hat er zum gro\u00dfen Teil nicht selbst in der Hand. Er tr\u00e4gt daf\u00fcr objektiv sehr wenig Verantwortung, die au\u00dferdem, wo sie m\u00f6glicherweise vorhanden ist, immer in Abh\u00e4ngigkeit von nicht zu verantwortenden Umst\u00e4nden betrachtet werden m\u00fcssen, in denen sich Menschen \u00fcberall und jederzeit befinden. Der Anteil der Ergebnisse seines Handelns, den ein Einzelner als individuelles Verdienst betrachten kann, ist deshalb ebenfalls sehr gering.<\/p>\n<p><b>Bedeutung der beeinflussbaren Verteilungen ist sehr hoch<\/b><\/p>\n<p>Ein substantieller Teil der Verteilungen, die f\u00fcr das Wohlergehen des Einzelnen verantwortlich sind, k\u00f6nnen nicht direkt von Staat und Gesellschaft beeinflusst werden, z. B. die Verteilung der Gene, und damit entscheidende Faktoren daf\u00fcr, wie gl\u00fccklich der Mensch im Laufe seines Lebens ist. Dennoch wird das Wohlergehen im Ergebnis in den meisten F\u00e4llen (Ausnahmen w\u00e4ren etwa unheilbare Krankheiten mit starken psychischen Auswirkungen) haupts\u00e4chlich durch beeinflussbare Verteilungen bestimmt, weil die Ausstattung von G\u00fctern, deren Verteilung beeinflusst werden kann, zumeist die Auswirkungen nicht beeinflussbarer Ausstattungen von G\u00fctern kompensieren kann. Angenommen, Menschen mit geringeren kognitiven F\u00e4higkeiten w\u00e4ren weniger gl\u00fccklich als andere, deren Kopf mehr leisten kann, w\u00e4re es dennoch m\u00f6glich, diese Ungleichheit im Wohlergehen, die aufgrund einer nicht beeinflussbaren Verteilung entsteht, durch eine \u00c4nderung der Verteilung beispielsweise von Verm\u00f6gen zu kompensieren: Die Kl\u00fcgere w\u00e4re mit relativ geringerem Verm\u00f6gen genauso gl\u00fccklich wie der weniger Kluge mit gr\u00f6\u00dferem Verm\u00f6gen. Deshalb ist letztlich auch der Anteil der nat\u00fcrlichen Verteilungen am individuellen Wohlergehen sehr gering.<\/p>\n<h3><b>Folgerung: Gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliches Wohlergehen nach Leximin-Verteilung<\/b><\/h3>\n<p>Aus den Pr\u00e4missen folgt, dass der Staat gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliches Wohlergehen f\u00fcr jeden Einzelnen unter der Bedingung einer gerechten Verteilung nach dem Leximin-Prinzip anzustreben hat. Es sind nur solche Unterschiede akzeptabel, die jeweils schlechter Gestellten zu Gute kommen oder deren Verringerung niemanden, der schlechter gestellt ist, besser stellen kann.<\/p>\n<p><b>Gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliches Wohlergehen unter der Bedingung einer gerechten Verteilung<\/b><\/p>\n<p>Aus der ersten Pr\u00e4misse folgt, dass der Staat prinzipiell, also abstrahiert von der konkreten Umsetzung, das gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Wohlergehen jedes Einzelnen zum Ziel hat. Wie bereits beschrieben bedeutet dies aber sicher keinen totalit\u00e4ren Staat, der alleine am besten wei\u00df, wie das Wohlbefinden seiner B\u00fcrger zu steigern ist: Freiheit ist ein zentraler und unabdingbarer Faktor f\u00fcr das pers\u00f6nliche Wohlergehen. Insofern kann nur eine freiheitliche und demokratische Regierung dem Prinzip der Wohlergehens-Orientierung des Staates entsprechen.<\/p>\n<p>Eine Umsetzung \u201emaximalen\u201c Wohlergehens ist aber generell nicht m\u00f6glich, da dazu n\u00f6tige G\u00fcter, wie z. B. Verm\u00f6gen oder Grund und Boden, nur in begrenztem Umfang vorhanden sind; es ergeben sich immer Verteilungen. Aus der zweiten Pr\u00e4misse folgt, dass Entscheidungen zu solchen Verteilungen immer nach einem Prinzip der Gerechtigkeit getroffen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p><b>Prinzip der gerechten Verteilung<\/b><\/p>\n<p>Wie sieht also das Prinzip der gerechten Verteilung im besten Staat aus? Aus der dritten Pr\u00e4misse folgt, dass bei einer gerechten Verteilung des Wohlergehens nur solche Unterschiede bestehen, die das Ergebnis von Umst\u00e4nden sind, die in individueller Verantwortung liegen. Dabei zeigt die vierte Pr\u00e4misse, dass das Wohlergehen jedes Einzelnen nur zu einem sehr geringen Teil Folge ist von Handlungen und Umst\u00e4nden, f\u00fcr die der Einzelne selbst verantwortlich gemacht werden kann, sondern gro\u00dfteils durch Gene und Umwelt beeinflusst wird. Dabei k\u00f6nnen aber gesellschaftlich beeinflussbare Verteilungen ungerechte Auswirkungen nicht beeinflussbarer Verteilungen, wie etwa von Genen, in vielen F\u00e4llen kompensieren.<\/p>\n<p>Im Folgenden soll zur Entwicklung des Prinzips der gerechten Verteilung zun\u00e4chst angenommen werden, dass individuelle Verdienste und Verantwortung, die Unterschiede im Wohlergehen rechtfertigen, nicht vorhanden sind. Im Anschluss wird gezeigt, dass das unter dieser Annahme gefundene Prinzip sich auch mit individuellen Verdiensten vereinbaren l\u00e4sst.<\/p>\n<p><b>Notwendige Ungleichheiten<\/b><\/p>\n<p>Wenn es keine individuellen Verdienste und Verantwortlichkeiten gibt, die Ungleichheiten rechtfertigen k\u00f6nnen, ist die sich nach der dritten Pr\u00e4misse prinzipiell ergebende gerechte Verteilung eine absolute Gleichverteilung: Niemand hat es verdient, besser oder schlechter gestellt zu sein als ein anderer. Allerdings widerspricht eine absolute Gleichverteilung sicher dem eigentlichen Ziel des Staates, das Wohlergehen seiner B\u00fcrger zu maximieren: Nicht eine gerechte Verteilung ist das Ziel, sondern gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliches Wohlergehen; Gerechtigkeit ist lediglich der Ma\u00dfstab zur Entscheidung von Verteilungsfragen, also wem bei begrenzten G\u00fctern wie viel von jedem Gut zukommen soll.<\/p>\n<p>Beispielsweise stehen Wohlstand, also verf\u00fcgbares Einkommen und Verm\u00f6gen, und Wohlergehen empirisch unbestreitbar in positivem Zusammenhang. Wenn nun aber, wie es bei der prinzipiell geforderten Gleichverteilung der Fall w\u00e4re, niemand einen Anreiz hat, sich um etwas zu bem\u00fchen, also sich z. B. bei der Arbeit anzustrengen, weil das Ergebnis keinen Einfluss auf sein Wohlergehen hat, da es automatisch gleich auf alle verteilt wird, ergeht es sicher jedem Einzelnen schlechter als in einem gewissen Zustand ungleicher Verteilung. In diesem Zustand ungleicher Verteilung ist also selbst der am schlechtesten Gestellte gl\u00fccklicher als im Zustand der absoluten Gleichverteilung. Nachdem aber der Einzelne immer den Zustand bevorzugt, der ihm \u2013 unabh\u00e4ngig von der allgemeinen Verteilung \u2013 das gr\u00f6\u00dfere Wohlergehen verschafft, sind also auch Ungleichheiten erw\u00fcnscht, die nicht auf individuelle Verantwortung zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, aber das Wohlergehen jedes Einzelnen steigern.<\/p>\n<p><b>Prinzip der wohlergehensmaximierenden gerechten Verteilung<\/b><\/p>\n<p>Gewisse Ungleichheiten sorgen also daf\u00fcr, dass es <i>allen<\/i> besser geht. Ungleichheiten, die aufgrund der Maxime der Steigerung des Wohlergehens jedes Einzelnen entstehen, d\u00fcrfen also auch ohne individuelle Verdienste bestehen. Weil aber niemand \u2013 unter der Annahme nicht vorhandener individueller Verdienste und Verantwortlichkeit \u2013 etwas daf\u00fcr kann, dass es ihm aufgrund dieser Ungleichheiten schlechter geht als anderen, muss eine gerechte Verteilung immer das Wohlergehen der jeweils am schlechtesten Gestellten maximieren. Als Prinzip der wohlergehensmaximierenden gerechten Verteilung ergibt sich eine sogenannte Leximin-Verteilung des Wohlergehens.<\/p>\n<p><b>Leximin-Verteilung des Wohlergehens<\/b><\/p>\n<p>Die Leximin-Verteilung beschreibt die Verteilung, bei der das individuelle Wohlergehen der jeweils schlechter Gestellten maximiert wird, sodass auf jeder Stufe weder jeweils schlechter Gestellte besser gestellt werden k\u00f6nnen durch eine Schlechter-Stellung von vorher und nachher besser Gestellten, z. B. durch Umverteilung von G\u00fctern, noch eine Besser-Stellung Einzelner m\u00f6glich ist, ohne jemanden schlechter Gestellten schlechter zu stellen.<\/p>\n<p>Dies kann man sich als einen Prozess denken, bei dem das Gl\u00fcck der am schlechtesten Gestellten maximiert wird, anschlie\u00dfend das Gl\u00fcck der am zweit-schlechtesten Gestellten und so weiter. Vorstellen kann man sich auch alle m\u00f6glichen Zust\u00e4nde in Form von Vektoren denken. Diese Vektoren enthalten die Wohlergehens-Werte aller Individuen in diesem Zustand. Gegeben diese Vektoren ist genau der Zustand gerecht, dessen Vektor im Vergleich mit allen anderen den gr\u00f6\u00dften kleinsten Wert aufweist. Gibt es mehrere Zust\u00e4nde mit dem gleichen im Vergleich mit allen anderen gr\u00f6\u00dften kleinsten Wert, ist von diesen Zust\u00e4nden der vorzuziehen, dessen zweit-kleinster Wert im Vergleich der gr\u00f6\u00dfte ist. Gibt es wiederum mehrere gleiche gr\u00f6\u00dfte zweit-kleinste Werte, so ist der dritt-kleinste Wert zu vergleichen, und so weiter, bis ein einziger Vektor im Vergleich den gr\u00f6\u00dften der auf dieser Stufe verglichenen Werte hat. Dies ist der Vektor, der das Ziel des gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Wohlergehens nach der Leximin-Verteilung erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Es sind also nur solche Unterschiede akzeptabel, die jeweils schlechter Gestellten zu Gute kommen oder deren Verringerung niemanden, der schlechter gestellt ist, besser stellen kann.<\/p>\n<h3><b>Erl\u00e4uterungen<\/b><\/h3>\n<p><b>Unterschiede zu Rawls\u2019 Differenzprinzip<\/b><\/p>\n<p>Zur Verdeutlichung sei hier auf einige Unterschiede zum von John Rawls in seiner Theorie der Gerechtigkeit vertretenen Differenzprinzip als gerechtes Prinzip der Verteilung hingewiesen.<\/p>\n<p>Erstens geht es Rawls beim Differenzprinzip um die Verteilung von G\u00fctern, w\u00e4hrend das hier aufgestellte Prinzip der gl\u00fccksmaximierenden gerechten Verteilung in erster Linie eine bestimmte Verteilung von Wohlergehen impliziert (s. u.).<\/p>\n<p>Zweitens ist das Leximin-Prinzip im Vergleich zu Rawls\u2019 Maximin-Prinzip umfassender: Letzteres w\u00fcrde nur auf das Wohlergehensniveau der Ungl\u00fccklichsten achten, w\u00e4hrend ersteres auch die Wohlergehensniveaus aller Gl\u00fccklicheren mit einbezieht.<\/p>\n<p>Drittens d\u00fcrfen nach dem hier vertretenen Prinzip auch Unterschiede bestehen, die <i>nicht<\/i> den am schlechtesten bzw. schlechter Gestellten zu gute kommen, und zwar wenn es nicht m\u00f6glich ist, durch eine Verringerung der Unterschiede das Wohlergehen von schlechter Gestellten zu steigern. W\u00fcrden Unterschiede verringert, ohne dass damit Ungl\u00fccklicheren zu mehr Gl\u00fcck verholfen wird, widerspr\u00e4che das dem in der ersten Pr\u00e4misse geforderten Ziel gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Wohlergehens f\u00fcr jeden Einzelnen.<\/p>\n<p><b>Vereinbarkeit des Prinzips der wohlergehensmaximierenden gerechten Verteilung mit individuellen Verdiensten<\/b><\/p>\n<p>Bei der Entwicklung des Prinzips der gerechten Verteilung wurden individuelle Verdienste und Verantwortlichkeit bisher vernachl\u00e4ssigt. Nun soll gezeigt werden, dass individuelle Verdienste im hier beschriebenen Verteilungsprinzip in allen politisch bedeutsamen F\u00e4llen trotzdem enthalten und mit ihm vereinbar sind.<\/p>\n<p>Verdienste k\u00f6nnen nur von einer Gesellschaft definiert und als solche angesehen werden, nicht von dem Einzelnen, der sie erbringt. Niemand w\u00fcrde einen erfolgreichen Mord als individuelles Verdienst ansehen, auch wenn es der M\u00f6rder selbst wom\u00f6glich tut. Genauso wenig sind Ergebnisse eines mehr oder minder freien Markts durch Verdienste gerechtfertigt, da sich Preise, also etwa L\u00f6hne oder Gewinne, durch das Verh\u00e4ltnis von Angebot und Nachfrage bilden und nicht aufgrund bestimmter Leistungen oder Anstrengungen. Was verdienstvoll ist und somit als gerechter Unterschied gerechtfertigt werden kann, ist von der Gesellschaft zu definieren und nicht von jedem Einzelnen oder irgendwelchen daf\u00fcr nicht geschaffenen Institutionen. \u201eFaulheit\u201c oder \u201enutzlose Interessen\u201c z. B. werden ausschlie\u00dflich von der Gesellschaft definiert \u2013 Wohlergehensunterschiede, die sich also daraus ergeben, liegen nicht in der individuellen Verantwortung.<\/p>\n<p>Gegeben Wohlergehen als Ziel jedes Einzelnen und daraus folgend auch des Staates, muss in einer gerechten Gesellschaft als Verdienst das Ergebnis einer verallgemeinerbaren Handlung gesehen werden, die zur Steigerung des Wohlergehens gef\u00fchrt hat. Eben solche individuellen gl\u00fccksf\u00f6rdernden Verdienste aber sind bereits durch das Prinzip der wohlergehensmaximierenden gerechten Verteilung abgedeckt: Denn diese Verteilung l\u00e4sst Unterschiede immer zu, wenn sie zur Gl\u00fccksf\u00f6rderung der schlechter Gestellten beitragen. Ist also beispielsweise bei einem Erwerbst\u00e4tigen aufgrund h\u00f6herer Anstrengung ein h\u00f6heres Einkommen angemessen, also <i>verdient<\/i>, tr\u00e4gt dieses h\u00f6here Einkommen durch Steuern zur Besserstellung schlechter Gestellter bei. Gleichzeitig kommt dem Erwerbst\u00e4tigen aufgrund dieser Anstrengungen, also individueller Verdienste, ein h\u00f6heres Einkommen zu als jemandem, der sich nicht anstrengt.<\/p>\n<p>Die Leximin-Verteilung als Prinzip der wohlergehensmaximierenden gerechten Verteilung ber\u00fccksichtigt also auch individuelle Verdienste. Andere m\u00f6glicherweise denkbare Handlungen, die auch Wohlergehensunterschiede verursachen und <i>ausschlie\u00dflich<\/i> in individueller Verantwortung liegen, sind tats\u00e4chlich nicht ber\u00fccksichtigt \u2013 ihre Relevanz erscheint aber so gering, dass sie keinen gro\u00dfen Einfluss auf die Form der gerechten Verteilung haben. Selbst mit Ber\u00fccksichtigung solcher gerechtfertigter Wohlergehensunterschiede h\u00e4tte also eine gerechte Verteilung des Wohlergehens ann\u00e4hernd die Form einer Leximin-Verteilung.<\/p>\n<p><b>Freiheit und Verantwortung<\/b><\/p>\n<p>Wie in der vierten Pr\u00e4misse festgestellt, ist der Anteil individueller freier Einwirkungsm\u00f6glichkeiten sehr gering bei allen Handlungen und ihren Auswirkungen auf das pers\u00f6nliche Wohlergehen. Im Extrem ist es nicht abwegig zu argumentieren, dass der Mensch keinen freien Einfluss auf sein eigenes Wohlergehen hat. Der Mensch tr\u00e4gt also zu einem sehr geringen Teil oder vielleicht auch gar nicht vorhandenen Anteil Verantwortung f\u00fcr sich und sein Handeln und seine Entscheidungen.<\/p>\n<p>Das Prinzip des gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Wohlergehens impliziert aber trotzdem die gesellschaftliche Notwendigkeit von Verantwortung als Ordnungsprinzip. Es ist davon auszugehen, dass eine Gesellschaft ohne das Prinzip individueller Verantwortung insgesamt ungl\u00fccklicher ist als eine, in der \u2013 eigentlich ungerechtfertigterweise \u2013 dem Einzelnen in einem gewissen Ma\u00dfe Verantwortung f\u00fcr seine Handlungen zugerechnet wird.<\/p>\n<p>Ebenso l\u00e4sst sich sowohl theoretisch als auch durch die Gl\u00fccksforschung empirisch eindeutig zeigen, dass (empfundene) Freiheit gl\u00fccklich macht. Freiheit ist also auch unter den Prinzipien der Wohlergehensmaximierung und der gerechten Verteilung nach dem Leximin-Prinzip das wichtigste Gut f\u00fcr jeden Einzelnen.<\/p>\n<p><b>Hilfsverteilungen von G\u00fctern<\/b><\/p>\n<p>Das beschriebene Prinzip der wohlergehensmaximierenden gerechten Verteilung beschreibt eine Verteilung des individuellen Wohlergehens. Es sagt aus, welches Niveau an Wohlergehen f\u00fcr jeden Einzelnen gesellschaftlich gerecht ist, da wegen der Begrenztheit der Ressourcen <i>maximales<\/i> Gl\u00fcck nicht realisierbar ist. Dieses Prinzip ist aber praktisch schwer umsetzbar: Ein Staat, der versucht, genau zu erfassen, wie gl\u00fccklich jeder seiner B\u00fcrger ist, ist ein totalit\u00e4rer Staat und widerspricht somit seinem Ziel des gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Wohlergehens, da Freiheit \u2013 die ein solcher totalit\u00e4rer Staat per definitionem nicht in ausreichendem Ma\u00dfe erm\u00f6glicht \u2013 das wichtigste Gut f\u00fcr das Wohlergehen eines jeden ist. Ein Staat kann und darf nicht wissen, wie viel genau wovon jeder Einzelne individuell f\u00fcr sein Wohlergehen braucht.<\/p>\n<p>Ein Staat muss sich deshalb immer mit der Annahme der Gleichheit der B\u00fcrger begn\u00fcgen, wenn nicht abstrakte Gr\u00fcnde f\u00fcr individuelle Ber\u00fccksichtigung sprechen, wie beispielsweise bei Kranken oder Behinderten. Es k\u00f6nnen auch keine Gr\u00fcnde Ber\u00fccksichtigung finden, bei denen von einer Adaption ausgegangen werden kann, sodass im Ergebnis gr\u00f6\u00dferes Wohlergehen realisiert werden kann: So sollte ein Staat beispielsweise sicher niemandem wegen einer Vorliebe f\u00fcr teure Autos ein h\u00f6heres Einkommen als einer (fiktiven) ansonsten gleichen Person ohne diese Vorliebe zukommen lassen.<\/p>\n<p>Deshalb muss die Gesellschaft demokratisch und wissenschaftlich fundiert diskutieren, welche G\u00fcter wie zum Wohlergehen der B\u00fcrger beitragen. Der Staat kann dann die Verteilung der G\u00fcter gem\u00e4\u00df einer Leximin-Verteilung anstreben: Freiheiten, Rechte und Pflichten, Einkommen und Verm\u00f6gen, F\u00e4higkeiten und Chancen, Status und Anerkennung, alle Ressourcen, die Einfluss auf das Wohlergehen jedes Einzelnen haben, sind gerecht zu verteilen.<\/p>\n<p>Entscheidend ist aber letztendlich nicht die Verteilung jedes einzelnen Gutes f\u00fcr sich genommen, sondern die Gesamtausstattung eines jeden Einzelnen, aus der sich sein Wohlergehen ergibt. Schlie\u00dflich dient die Verteilung der G\u00fcter quasi als Instrument zur Erreichung des eigentlichen Ziels, einer gerechten Verteilung des Wohlergehens.<\/p>\n<p><b>Weitreichende Universalit\u00e4t<\/b><\/p>\n<p>Die hier entwickelten Prinzipien, Wohlergehen jedes Einzelnen als Ziel des Staates und eine Leximin-Verteilung als gerechte Form der Verteilung des Wohlergehens, weisen einen hohen Grad an Universalit\u00e4t auf, auch wenn sie abh\u00e4ngig sind von gewissen auf entwickelte westliche Staaten zutreffenden Konzepten.<\/p>\n<p>Grundlegend ist nat\u00fcrlich die Annahme, dass Menschen sich als Individuen f\u00fchlen und sich als solche ich-bewusst betrachten; au\u00dferdem, dass eine Gesellschaft und ein sie umfassender Staat existiert, in dem Politik mit vollem Einfluss auf staatliche Entscheidungen und teilweisem Einfluss auf gesellschaftliche Bedingungen stattfindet. Ebenso werden Konzepte von Freiheit, Sicherheit, Verantwortung oder aber auch die M\u00f6glichkeit von Eigentum vorausgesetzt. Damit werden aber dennoch beinahe alle heute existierenden Gesellschaften von diesen Darstellungen abgedeckt.<\/p>\n<p>Deshalb sind die hier vorgestellten Prinzipien auch in vielen Hinsichten universell: Sie beschr\u00e4nken sich nicht auf bestimmte Umst\u00e4nde von Kulturen oder Gesellschaften, da etwa das Handeln nach der Maxime des Besser-Gehens dem Menschen inh\u00e4rent ist und nicht erst anerzogen wird oder aberzogen werden k\u00f6nnte. Zwar kann die Ausgestaltung der realen Umsetzung der Wohlergehens- und Verteilungsprinzipien je nach Kultur unterschiedlich ausfallen \u2013 es mag z. B. Unterschiede geben, wie viele Anreize ein Einzelner braucht, um f\u00fcr andere wohlergehensf\u00f6rdernd, zum Beispiel als engagierter Arzt, t\u00e4tig zu werden, und diese Unterschiede k\u00f6nnen u. a. kulturell bedingt sein. Das Prinzip, das das Ziel aller politischen und gesellschaftlichen Anstrengung zur Gestaltung des Zusammenlebens beschreibt, bleibt aber das gleiche.<\/p>\n<p>Das Verteilungsprinzip ist auch nicht nur auf einzelne Gesellschaften anwendbar, sondern auch auf die Menschheit als ganzes: Die globale Verteilung ist nach diesem Prinzip zu bewerten; politische Priorit\u00e4ten w\u00e4ren danach zu setzen, wie weit die reale, existierende Verteilung von der gerechten Verteilung abweicht. Dass das Leximin-Prinzip global gesehen weit weniger Realit\u00e4t ist als beispielsweise in Deutschland, ist schnell festzustellen. Die Bek\u00e4mpfung der globalen Armut sollte also eigentlich das oberste Ziel einer gerechten Politik sein.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem k\u00f6nnen nicht nur Verteilungen zu einem bestimmten Zeitpunkt bewertet werden, sondern nat\u00fcrlich auch intertemporale Verteilungen. Was wir als Generationengerechtigkeit kennen, muss also ebenfalls nach dem Leximin-Prinzip definiert werden: Zum Beispiel ist die Ausbeutung der Rohstoffe, ohne damit Perspektiven der Energieerzeugung f\u00fcr zuk\u00fcnftige Generationen zu schaffen, sicher nicht gerecht.<\/p>\n<p>Ebenso ist zu \u00fcberlegen, ob sich das Prinzip gerechter Verteilung auf Menschen beschr\u00e4nkt oder nicht auch auf Tiere, zumindest solche mit Ich-Bewusstsein, \u00fcbertragen werden m\u00fcsste. Aus Sicht der Gerechtigkeit ist beispielsweise schwierig zu argumentieren, warum Schweine, die \u00e4hnliche kognitive F\u00e4higkeiten wie Menschenaffen aufweisen, f\u00fcr Menschen zur Nahrung sterben m\u00fcssen sollen.<\/p>\n<p><b>Ber\u00fccksichtigung der Ergebnisse der Gl\u00fccksforschung<\/b><\/p>\n<p>Bei der gerechten Verteilung der G\u00fcter sind auf jeden Fall die Ergebnisse der sogenannten Gl\u00fccksforschung zu ber\u00fccksichtigen. Mit deren Hilfe ist sowohl besser das Ziel der Wohlergehensmaximierung zu erreichen, weil Staat, Politik und Gesellschaft besser einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen, wessen Wohlergehen sie durch welche Ma\u00dfnahmen am besten beeinflussen k\u00f6nnen, als auch das Ziel der gerechten Verteilung, weil besser beurteilt werden kann, welche Umst\u00e4nde tats\u00e4chlich f\u00fcr welches Wohlergehensniveau sorgen.<\/p>\n<p>So macht beispielsweise Arbeitslosigkeit sehr stark und lange ungl\u00fccklich \u2013 dies ist dann auch etwa bei Abw\u00e4gungen \u00fcber K\u00fcndigungsschutz-Regelungen stark zu gewichten und bei der H\u00f6he des Arbeitslosengeldes entsprechend zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Dabei ist aber immer zu beachten, dass ein wohlergehensmaximierender Staat allen Menschen immer gen\u00fcgend Freiheiten l\u00e4sst, das Leben nach eigener Entscheidung zu f\u00fchren und zu gestalten, weil ein Staat, genauso wie jeder andere Au\u00dfenstehende, in den meisten F\u00e4llen nicht wissen kann, was das Wohlergehen des Einzelnen wirklich steigert. Doch selbst wenn ein Staat solche Entscheidungen immer richtig treffen k\u00f6nnte, erg\u00e4be sich daraus keine Maxime der staatlichen Planung des Lebens jedes Einzelnen, weil f\u00fcr jeden Menschen die Freiheit in seinen Entscheidungen <i>als solche<\/i> unabdingbar ist f\u00fcr das Wohlergehen. Die Ergebnisse der Gl\u00fccksforschung k\u00f6nnen also helfen, richtige Rahmen zu setzen und gerechte und wohlergehenssteigernde Politik zu machen, m\u00fcssen aber dabei immer die Freiheit als Voraussetzung f\u00fcr das Wohlergehen ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<h3><b>Beispielhafte Anwendungen<\/b><\/h3>\n<p><b>Verteilung von Einkommen und Verm\u00f6gen<\/b><\/p>\n<p>Die Verteilung von Einkommen und vor allem die Verteilung von Verm\u00f6gen in Deutschland entspricht eindeutig keiner wohlergehensmaximierenden gerechten Verteilung. Es kann als sicher gelten, dass Geld abnehmenden Grenznutzen hat, dass also einen Million\u00e4r hundert Euro zus\u00e4tzlich weit weniger gl\u00fccklich machen als einen Arbeitslosen. Auch kann davon ausgegangen werden, dass Manager, Unternehmer, Banker, \u00c4rzte und Anw\u00e4lte auch bei geringerem Einkommen, also z. B. bei h\u00f6heren Steuern, gleichen Einsatz f\u00fcr die Gesellschaft bringen w\u00fcrden. Eine gleichere Verteilung von Einkommen und Verm\u00f6gen ist nach dem Wohlergehens- und Gerechtigkeitsprinzip auf jeden Fall anzustreben.<\/p>\n<p><b>Erbschaftssteuer<\/b><\/p>\n<p>Niemand kann etwas daf\u00fcr, ob man erbt oder nicht, ob man reiche Verwandtschaft hat oder nicht. Unterschiede durch Erbschaften sind dementsprechend nicht durch individuelle Verdienste begr\u00fcndbar und sollten nur insoweit geduldet werden, wie sie durch vern\u00fcnftige Verm\u00f6gensplanung bis zum Lebensende \u2013 und damit z. B. auch h\u00f6heres Erbschaftssteueraufkommen \u2013 zur Steigerung des Wohlergehens der schlechter Gestellten beitragen: W\u00fcrde man Erbschaften komplett sozialisieren, w\u00e4re niemand mehr dadurch motiviert, dass man seinen Kindern etwas hinterlassen kann, und es best\u00fcnde somit weniger Anreiz f\u00fcr alte Menschen, ihr Verm\u00f6gen vern\u00fcnftig einzusetzen, Firmen, die sie besitzen, in einem f\u00fcr die Gesellschaft dienlichen Weg weiter zu f\u00fchren und Investitionen zu t\u00e4tigen. Das Wohlergehen&nbsp; von schlechter Gestellten k\u00f6nnte also nur in geringerem Ma\u00dfe gesteigert werden wegen geringerer Umverteilungen, z. B. durch eine Erbschaftssteuer, und auf lange Sicht wahrscheinlich auch durch langsameren technischen Fortschritt.<\/p>\n<p>Die Anreize zum langfristig gerechten und wohlergehenssteigernden Umgang mit Verm\u00f6gen w\u00e4ren allerdings auch bei h\u00f6heren Erbschaftssteuern gegeben, sodass etwa in Deutschland eine gerechte Erbschaftssteuer sicher weitaus h\u00f6her l\u00e4ge als derzeit.<\/p>\n<p><b>Fokussierung auf die in der Gesellschaft am schlechtesten Gestellten<\/b><\/p>\n<p>Nach dem Leximin-Prinzip ist in erster Linie das Niveau der am schlechtesten Gestellten ausschlaggebend. Eine Gesellschaft muss deshalb die gr\u00f6\u00dfte Anstrengung darauf verwenden, das Wohlergehensniveau der Ungl\u00fccklichsten anzuheben.<\/p>\n<p>Dies impliziert beispielsweise einen anderen Umgang mit Arbeitslosigkeit, aktive Hilfen f\u00fcr unfreiwillig Obdachlose, bessere Behandlung und Betreuung von psychisch Kranken und allgemein ein anderes Konzept gegen Armut, das die geringe Verantwortung des Einzelnen an seiner Situation anerkennt und deshalb vor allem versucht, die institutionellen Rahmenbedingungen wie den Arbeitsmarkt und ein wenig auf die Schw\u00e4chsten achtendes Bildungssystem zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p><b>Grundsicherung durch negative Einkommenssteuer<\/b><\/p>\n<p>Um ein h\u00f6heres Niveau f\u00fcr die am schlechtesten Gestellten zu erreichen, sollte beispielsweise das System der bedingten Grundsicherung ersetzt werden durch ein System der bedingungslosen Grundsicherung, die allen B\u00fcrgern garantiert ist und somit viel Ungl\u00fcck abmildern kann, das durch \u00dcberpr\u00fcfung, Dem\u00fctigung und gesellschaftliche Stigmatisierung entsteht. Dies k\u00f6nnte etwa durch ein Modell der negativen Einkommenssteuer realisiert werden.<\/p>\n<p>Auch sollte das Niveau der Grundsicherung bedeutend h\u00f6her sein als derzeit. Dies w\u00e4re, wie bei der Einkommens- und Verm\u00f6gensverteilung beschrieben, durch gr\u00f6\u00dfere Umverteilung bzw. auch durch Verhinderung der Entstehung von solch gro\u00dfen Unterschieden m\u00f6glich, ohne dass das allgemeine Wohlstands- und damit Wohlergehensniveau sinkt.<\/p>\n<p><b>Grundversorgung durch \u00f6ffentliche Versorgung<\/b><\/p>\n<p>Durch \u00f6ffentliche Versorgung kann ein hohes Niveau G\u00fctern erm\u00f6glicht werden, die allen zur Verf\u00fcgung stehen sollen, da Selektion nach Status oder Wohlstand, wie sie auf privaten M\u00e4rkten immer stattfindet, verhindert werden kann oder zumindest nur abgemildert vorhanden ist.<\/p>\n<p>Ein hohes Niveau der Grundversorgung von G\u00fctern kann z. B. auch \u00fcber progressive Tarife erreicht werden. So sollten etwa Strom, Gas oder Wasser, die in gewissem Umfang essentielle G\u00fcter des Lebens sind, in H\u00f6he eines gewissen Freibetrags f\u00fcr alle gleicherma\u00dfen zur Verf\u00fcgung gestellt werden, und ab Erreichen dieses Grundfreibetrags dann nach progressiven Tarifen zu bezahlen sein. Denn auch so k\u00f6nnte ein hohes Niveau der am schlechtesten Gestellten garantiert werden, ohne die durch manche Ungleichheiten entstehenden Wohlergehenssteigerungen unber\u00fccksichtigt zu lassen.<\/p>\n<p><b>Ganztages-Gesamtschule<\/b><\/p>\n<p>Wenn niemand etwas daf\u00fcr kann, als Kind welcher Eltern man geboren wird, in welchem Umfeld man aufw\u00e4chst oder welche Umgebung zum Lernen man bekommt, muss versucht werden, denjenigen, die dadurch benachteiligt werden, durch staatliche Bildungseinrichtungen wie Schule oder auch, bei j\u00fcngeren Kindern, in Krippen und Kinderg\u00e4rten, ein gl\u00fccklicheres Leben zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Dies f\u00fchrt zum Beispiel zur Forderung nach einer Ganztages-Gesamtschule. Ganztags, weil nur so Benachteiligungen durch das soziale Umfeld \u2013 manche Eltern lesen mit ihren Kindern, andere setzen sie vor den Fernseher \u2013 entgegnet werden kann. Gesamtschule, weil nur dann Segregation nach sozialen und anderen Kriterien und somit Ungerechtigkeiten, die insgesamt nicht wohlergehensf\u00f6rdernd sind \u2013 Gymnasien sorgen keineswegs f\u00fcr ein allgemein h\u00f6heres Leistungsniveau \u2013, verhindert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><b>Fokussierung auf die global am schlechtesten Gestellten<\/b><\/p>\n<p>All das bisher Beschriebene zeigt zwar wichtige Wege f\u00fcr eine bessere und gerechtere Gesellschaft auf. Die gr\u00f6\u00dfte Ungerechtigkeit, der gerade reiche Nationen wie Deutschland entgegentreten m\u00fcssen, ist aber die globale Ungleichheit. Ein Kind in Afghanistan und ein Kind in Luxemburg k\u00f6nnen beide nichts f\u00fcr ihre Herkunft. Und doch entscheidet genau diese Herkunft zum Gro\u00dfteil dar\u00fcber, wie gl\u00fccklich sie werden k\u00f6nnen. Deshalb ist die Bek\u00e4mpfung der globalen Ungleichheit und insbesondere die Besserung der Umst\u00e4nde f\u00fcr die Menschen, denen es auf der Erde am schlechtesten geht, die Hauptaufgabe gerechter Gesellschaften.<\/p>\n<p>Dabei ist aber darauf zu achten, auf welchem Weg man diese Ungerechtigkeit bek\u00e4mpfen kann. Hilfe von au\u00dfen wird kein stabiles, gesundes System wohlhabender Gesellschaften erzeugen. Es m\u00fcssen also Wege gefunden werden, wie Entwicklungen angesto\u00dfen und begleitet werden k\u00f6nnen, die in Staaten m\u00fcnden, in denen Menschen nachhaltig ein hohes Wohlergehen erfahren. Diese Wege m\u00fcssen aber gleichzeitig daf\u00fcr sorgen, dass den Menschen und Staaten, denen geholfen wird, ihre Autonomie erhalten bleibt, da sich nur so wirklich gl\u00fccklich machende Systeme entwickeln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Ein paar Literaturhinweise<\/b><\/p>\n<p>Anger, Silke (2012): \u201eDie Weitergabe von Pers\u00f6nlichkeitseigenschaften und intellektuellen F\u00e4higkeiten von Eltern an ihre Kin\u201c, in: DIW Wochenbericht, 29\/2012, 3\u201312.<\/p>\n<p>Easterlin, Richard A. (1974): \u201eDoes Economic Growth Improve the Human Lot? Some Empirical Evidence\u201c, in: David, Paul A.; Reder, Melvin W. (Hrsg.): \u201eNations and Households in Economic Growth: Essays in Honor of Moses Abramovitz\u201c, Academic Press, New York.<\/p>\n<p>Hanushek, Eric A.; W\u00f6\u00dfmann, Ludger (2006): \u201eDoes Educational Tracking Affect Performance and Inequality? Differences-in-Differences Evidence across Countries\u201c, Economic Journal, 116(510), C63-C76.<\/p>\n<p>Helliwell, John; Layard, Richard; Sachs, Jeffrey (2013): \u201eWorld Happiness Report\u201c, UN Sustainable Development Solutions Network, New York.<\/p>\n<p>Layard, Richard (2005): \u201eHappiness. Lessons from a New Science\u201c, The Penguin Press, London.<\/p>\n<p>Rawls, John (1971): \u201eA Theory of Justice\u201c, Harvard University Press, Cambridge, MA.<\/p>\n<p>Schnitzlein, Daniel D. (2013): \u201eWenig Chancengleichheit in Deutschland: Familienhintergrund pr\u00e4gt eigenen \u00f6konomischen Erfolg\u201c, in: DIW Wochenbericht, 4\/2013, 3\u20139.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon seit l\u00e4ngerem schreibe ich an ein paar Ausf\u00fchrungen, die f\u00fcr mich pers\u00f6nlich begr\u00fcnden, wie ich bestimmte Politik im Allgemeinen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.andreas-mehltretter.de\/archiv\/2014\/10\/wohlergehen-und-gerechte-verteilung\/\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Wohlergehen und gerechte Verteilung<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-283","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politisches"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.andreas-mehltretter.de\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/283","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.andreas-mehltretter.de\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.andreas-mehltretter.de\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.andreas-mehltretter.de\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.andreas-mehltretter.de\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=283"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.andreas-mehltretter.de\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/283\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":920,"href":"https:\/\/www.andreas-mehltretter.de\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/283\/revisions\/920"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.andreas-mehltretter.de\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=283"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.andreas-mehltretter.de\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=283"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.andreas-mehltretter.de\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=283"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}